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  • Autorenbildsimis

Landwirtschaftliche Philosphie

Aktualisiert: 12. Mai 2023

Samstag Morgen. Was mache ich nur mit dem neuen Tag. Gerade aufgestanden, erreicht mich eine Nachricht. Hey, wenn du magst, kannst heute zum Grillen kommen. Ich habe sturmfrei.


Kein Unbekannter schreibt mir. Ein Mensch, den ich seit dem Teenageralter bewundere. Als Kinder fuhren wir freihändig mit dem Fahrrad zur Schule, nur um feststellen, wer weiter kommt, ohne den Lenker zu berühren.


Mein Lieblingsbauer und einer meiner besten Freunde, seit Jahrzehnten. Sein Vater starb früh und als die Meisten noch überlegten, was sie mit ihrem Leben anstellen sollen, musste er mit 15 Jahren eine Verantwortung auf sich nehmen, die heute wohl keiner mehr mit einer solchen Leichtigkeit meistern würde.


Ich war also in freudiger Erwartung, denn unsere Begegnungen sind sehr selten, aber immer bewusst unbewusst und in einer geistig energetischen Bereicherung, wie man sie so heute in unserer Gesellschaft nicht mehr so oft kennt. Wir sind total gegensätzlich. Und doch verbindet uns ein unsichtbares Band emotionaler Nähe. Ein Vertrauen ohne Scheu und Tadel.


Der Bauer und der Manager! Oder ist es gar umgekehrt? Schliesslich ist er der gebildete Agronom, der durch die ganze Welt reiste und dann Bauer wurde und ich der designierte Bauer, der dann Manager wurde und heute ganze Unternehmen durcheinander bringt.


Ich schwinge mich also abends aufs Fahrrad, fahre aus der Grossstadt entlang an Wiesen, Wäldern und Flüssen in meine alte Heimat. Der Sonne entgegen. Wunderschön. Es fühlt sich an, wie ein Nachhause kommen.


Kaum angekommen. in dieser Idylle, filme ich das Naturschauspiel und den Sonnenuntergang und frage mich gerade, warum ich überhaupt jemals weg bin von hier, aus dieser wunderschönen Kraftquelle meiner Energie. Ich bestaune, wie verwittert die Scheune schon ist, die wir vor 25 Jahren zusammen gebaut haben. Die Pferdekoppel ist auch anders. Wie mühsam habe ich doch die Pfähle mit eigener Muskelkraft in den Boden gerammt und nun mussten sie dem Fortschritt weichen.


Ein kleiner schöner Zeitraffer der Jahrzehnte flitzt an mir vorbei und da kommt er auch schon um die Ecke. Er sieht müde und mitgenommen aus, mein alter Freund.


Er sagte, warte, ich bin gerade vom Traktor gestiegen und meine Frau ist mit den Kindern bei ihrer Familie, dann habe ich immer etwas mehr zu tun. Ich muss noch kurz etwas erledigen, dann bin ich bei dir.


Ich setze mich also hin und lasse ihn zur Ruhe kommen und warte an diesem wunderschönen Fleck, an dem ich mein erstes und sicher nicht mein letztes Bier trank. Schaue den Rindern im Sonnenuntergang zu, wie sie ihren Nacken an der extra für sie errichteten Massagestation entspannen, Was für ein natürlicher Moment.


Dann kommt der wohl schlauste Bauer, den ich kenne. grinsend um die Ecke, mit zwei Bieren in den Händen.


Er erzählt mir, dass er seit Tagen von 06-22 Uhr auf dem Traktor sitzt und seine Felder bestellt. Er sei müde und hätte keine Lust auf Anstrengendes, ein bisschen Gesellschaft aber schon und da sei ich ihm spontan in den Sinn gekommen.


Also sitzen wir nun da, prosten uns zu und schauen, wie die kleinen Jungs vor 35 Jahren schweigend den Hühnern zu. Als wäre es unser erstes Bier, welches wir gemeinsam trinken.


Er fängt an zu reden über den Kreislauf der Natur, dass jedes Lebewesen auf diesem Hof sehr wichtig ist für unser Ökosystem. Ob wir wollen, oder nicht. Der Philosoph beginnt zu philosophieren, stets mit verschmitztem Lächeln und verklärtem Blick, schaut er auf seine Rinder und sagt, schaue mal, immer wenn es dämmert rennen sie rum und ein freudiges Lächeln verzückt sein Gesicht.


Ich höre ihm schweigend zu und geniesse die Stimmung und seine Gesellschaft. Niemals kann man mehr lernen, über das Leben, als von jemandem der Leben erschafft. Wir sprechen über den Sinn des Lebens, die Anspannung auf der Welt und wie wir uns darin zurecht finden, ohne uns selbst zu verlieren.


Es wurde immer dunkler, wir machten ein Feuer und ich sagte du wohnst am schönsten Ort und ich bin heute morgen am Puls des Lebens aufgewacht machte das Fenster auf und hörte Musik.


Hört selbst dem knisternden Schweigen des Feuers: No War

Ein paar Scheite und Biere später verabschiedete er sich mit den Worten: Danke für den geistig füssigen Abend. Hat gut getan. Er drückte mir noch ein paar philosophische Hefte in die Hand und sagte, die wollte ich eigentlich ins Altpapier werfen, aber lies mal darin.


Ich sagte, danke mein Freund für deine Zeit, obwohl du keine hast und er lachte und sagte: Danke für deine Energie, obwohl du keine hast. Ein feiner Spass unter kleinen Philosophen.


So gingen wir wieder unserer Wege. Bis zum Nächsten mal. Gute Freunde sind wichtig.


Und nun lese ich in den Heften und was wird wohl mein nächster Blog sein. Er handelt über den Einklang der Natur mit dir selbst.


@simis...wieder zuhause.













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