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Unmännliche Begierde?

Diejenigen, welche schon einige meiner Blogs gelesen haben, wissen dass ich ein Verfechter der Digitalisierung des Menschen bin. Dies wende ich jeden Tag in meinem Job an. Dabei geht es aber eher darum, dass die Technologisierung unseres Alltags uns als Mensch nicht überfordert. Aber im folgenden Text möchte meine Meinung, der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beziehung zwischen Menschen beschreiben. Dies soll Niemanden angreifen und ist auch nicht umfassend. Es soll zum Denken anregen, mehr nicht.


Ich hatte zwei interessante Gespräche mit zwei ganz verschieden Menschen, welche meine Gedanken in verschiedene Richtungen beflügelten. Eine Paartherapeutin und Psychologin, welche sich stark mit der Männlichkeit unserer Gesellschaft auseinandersetzt und ihre Theorie beschreibt, wie die heutige Frau der Gesellschaft den Mann unmännlich macht (nicht meine Worte, sie stammen von einer Frau) und ein guter Freund, der ein Buch über die Funktionsweise unseres Hirns gelesen hat, worin es auch um die Macht und den Gegensatz der Hormone ging. Ich musste mich sehr konzentrieren, denn ich hatte schon ein paar Bier, haha, aber beide Themen liessen meine Gedanken an den darauf folgenden Tagen nicht mehr los.


Ich habe ihre Worte mit meiner Vergangenheit verglichen, ich überlegte, wurde ich unmännlich durch die Gesellschaft. Es ist doch die Höchststrafe für einen Mann als unmännlich zu gelten. Genau, wie eine Frau, die nicht Frau sein darf und als solche angenommen wird.


Aber was ist denn männlich und was stellt sich eine Frau und die Gesellschaft darunter vor. Ich fand natürlich tausende Ausprägungen im Netz, aber abschiessend gibt es keine einheitliche Meinung.


Meine Meinung zu Männlichkeit war im Grundsatz immer in der Evolution begründet. Weil ich dieses in einer Ausbildung zur Begleitung junger Menschen lernte, wie ein Mensch funktioniert in der Pubertät. Mir wurde beigebracht, dass ein Mann, seine Gene und Werte weitergeben will, eine Familie gründen, diese ernähren und für sie ein sicheres Zuhause und eine sichere Zukunft gestalten und sie beschützen. Er will die Frau umwerben und erobern, die fähig ist für seinen Nachwuchs zu sorgen. Dies klingt zwar etwas altbacken in der heutigen Zeit ich weiss. Aber schaut mal genau hin, wie sich der klassische Mann verhält, wenn er um eine Frau wirbt. Er will gebraucht werden, als dies was ich oben beschrieb, dazu gibt es eine Unzahl von Büchern.


Die Frau will begehrt und umworben werden. Einen starken Mann, der sie beschützen und für ihre Kinder sorgen kann. Und wenn wir genau hinsehen, verhalten sich die meisten Frauen in der Partnerwahl auch so. Sie suchen sich in der Regel einen grösseren Partner den sie bewundern möchten, weil er für sie sorgen kann.


Unser Verhalten ist also in der Evolution begründet. Aber was genau meinte die Psychologin, die mit so vielen Männern und Frauen sprach? Die Frau der heutigen Zeit macht den Mann unmännlich. Sie lässt das normale Verhalten des Mannes nicht mehr zu, weil sie ihn für nicht mehr beansprucht für dass, was ein Mann sein möchte. Sie kann sich selber ernähren und ihre Kinder alleine gross ziehen. Was bei vielen Männern ein vermindertes Selbstbewusstsein auslöst, weil sie oft auf das Körperliche reduziert werden. So ihre Worte. Halt mal, war dies bislang nicht immer umgekehrt? So wurde es mir von vielen vermittelt.


Der Kollege mit dem Buch hat noch etwas ganz anderes beschrieben, dass sich die Ansprüche einer Frau an die Männlichkeit je nach Monatszyklus ändern. Einmal wünscht sie sich einen starken Mann mit animalischen Trieben und im nächsten Moment den sensiblen Frauenversteher. Oh Gott, beschütze mich. Ich soll mich je nach Zyklus anders verhalten. Haha. Naja, dass macht es ja auch spannend. Und niemand hat gefordert. dass ich es verstehen muss, oder doch?


Das wollte ich jetzt genau wissen. Also google ich. Und wir können und uns ja vorstellen, wo ich landete, wenn es um die unerfüllten Bedürfnisse der Menschen geht. In der dunkelsten digitalen Welt der Begierde. Ich dachte, ach hier habt ihr euch alle versteckt. Soso.


Gespannt und irgendwo zwischen fasziniert und angewidert klickte ich durch die Präsentationen der begehrenden Begehrten. Die Männer zeigten sich, meist wortlos mit geschwellter Brust und ihrer glattrasierten Männlichkeit. Bei den Frauen hingegen stiess ich auf eine grosse Diversität, vom scheinbaren Mauerblümchen bis hin zur alles reizenden Wollenden.


Ich verlor mich rasch im Sammelsurium der Neigungen und Anforderungen an den möglichen Zeitfensterbegehrten. Die Meisten beschrieben nicht, was sie sich wünschen, sondern was sie sich nicht wünschen. Eine Frau beschrieb die exakt ideale Länge der Schambehaarung, damit sie sich wohl fühlt und wie lang und gross er sein soll. Andere wünschen keine Behaarung ausser auf dem Kopf. Shit, ich bin verloren, schon wieder raus. haha. Die meisten wünschen sich umgarnt zu werden und einen Herren mit Niveau und kultivierter Ausdrucksweise. Sehr viele Profile begannen, lies das genau durch, bevor du mir schreibst. Erst wenn du es verstanden hast, darfst du schreiben. Aha ich soll Frauen verstehen. Welche Genies sind daran schon gescheitert. Sogar Einstein und Tesla blieben Single. Also las ich genau, aber ich fand immer einen Wunsch und ein Attribut dass mich aussonderte. Ich scheine die nicht die Mehrheit anzusprechen.


Also gut. 90 % der Männer stehen da entblösst und in fast in jedem Profil der Frauen steht, bitte keine Bilder deines Geschlechtsteils. Die Plattform muss wohl kurz davor gegründet und vor dem Aus stehen, da die Männer ja nicht das repräsentieren, was die Frauen sich wünschen. Oder doch? Vielleicht nur manchmal, was wieder die Theorie meines Freundes aus dem Buch stützt und vielleicht setzen all die geduldigen Adonisse in ihrem Kleid der Schöpfung nur auf den richtigen Moment im Zyklus der Frau. Provakant ich weiss,


So jetzt ist meine Neugierde geweckt. Ich erstelle also selbst ein sehr provokantes Profil, Ähnlich diesen Zeilen, welches möglichst selbstbewusst und männlich wirken soll, aber ohne diesen anscheinend nicht lockenden Fotoschnickschnack. Nur mit Worten beschreibe, was ich mir wünsche. Ich klicke mich durch all die sexuellen Neigungen und lasse mich überraschen was passiert. Erst mal ein paar Stunden gar nichts.


Dann likt mich eine der Begehrenden. Ich schreibe ihr sehr höflich, dass ich mich freue sie kennen zu lernen. So mit Anrede und Verabschiedung, wie ich es auch dem realen Leben kenne. Ich soll ja Niveau haben, steht da.


Dann kam die kurz angebundene Antwort. In deinem Profil steht, dass du keine Beziehung suchst. Wir passen also nicht zusammen.


Ich antwortete: Ich sagte ja nur, ich suche nicht. Das heisst ja nicht zwingend, dass ich mir keine Beziehung wünsche, aber dass ich mir nicht vorstellen kann, auf einer solchen Plattform meine grosse Liebe über die Definition von sexuellen Bedürfnissen zu finden.


Ebenfalls sagte ich, dass ich diese Plattform als sehr unmännlich empfinde und es mich abstösst mit Frauen zu schreiben, von denen ich zwar alle Körperteile aber nicht ihre Augen sehe, welche mir nicht mal ihren Namen verraten wollen. Zudem habe ich durch ihre klaren Ausprägungen gar keine Möglichkeit sie zu umgarnen und Mann zu sein, sie hätte mich ja schon ausgeschlossen und trotzdem gelikt.


Da war er, der vermutete Shitstorm. Haha. Obwohl sie ihn ihrem Profil schreibt, dass sie keine Fotos von Körperteilen mag und ihre selber präsentiert, fängt sie an all diese Menschen, die sie sich gemäss ihrem Profil nicht wünscht, zu verteidigen. Was für tolle Menschen sie sind und der einzige unmännliche und unbewusste hier sei ich.


Ich: ja ich sagte doch gerade, dass ich mich so fühle, da ich auf dieser Plattform es nicht leben kann. Es ist die Plattform für Frauen den perfekten Lover zu finden, ich habe kein Profil gelesen, welches mich nicht in einer Form ausgrenzt hat. Also bin zu unperfekt für sie. Es gibt keine perfekten Begegnungen, egal welcher Ebene. Da war ich dann definitiv im Out der Begierde.


Also ich habe nun viel geschrieben, aber was will ich eigentlich sagen, ohne jemand für sein Verhalten anzuprangern. Wir sind alle verschieden, haben Träume, Ziele und Wunsche. Mich macht es traurig, dass Menschen auf das Bedürfnis anderer reduziert werden. Dass uns das digitale Netz die Möglichkeit gibt, uns nicht mehr als vollwertigen Menschen anzunehmen, Es lässt so Vieles eines Menschen unbeachtet.


Ob es nun die Frau, oder der Mann ist und wer hier wen nicht mehr sich selbst sein lässt, spielt weiss ich nicht. Es ist aber eine Tatsache, dass die Digitalisierung der Bedürfnisse, Menschen ausgrenzt und dies zu psychischen Defiziten führt. Gerade Letzteres wird mir sehr oft von Menschen zugetragen, gerade über diese Blogs fühlen sie sich verstanden.


Für mich entsteht eine Begegnung durch das Eingrenzen der Möglichkeiten und nicht durch das Ausgrenzen dessen, was ich nicht möchte, dann misst man den Menschen immer an Negativem und sobald er dich einmal darin erinnert, ist er weg.


Kein Mensch, welchem du signalisierst ich brauche dich nicht, wird in deinem Leben bleiben. Jeder Mensch will gebraucht werden, egal wie lang seine Schamhaare, wie gross seine Körperteile sind.


Ein Blick in die Hose berührt keine Seele. Achtet immer darauf wie ihr einen Menschen behandelt, sie haben digital genauso viele Gefühle wie im realen Leben.


@simis – etwas provokant, ich weiss.






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